Maca (Lepidium meyenii) ist eine peruanische Kreuzblüterpflanze, die in den Hochanden auf über 4.000 Meter Höhe wächst und seit Jahrtausenden als Nahrung und Medizin genutzt wird. Für sexuelle Funktion, Energie und Hormonbalance hat Maca in Studien moderate, aber interessante Effekte gezeigt – ohne direkte Hormonwirkung, was sie von Phytohormonen unterscheidet.

Was ist Maca?

Maca (Lepidium meyenii oder L. peruvianum) ist eine Kreuzblüterart (Brassicaceae, verwandt mit Rettich und Kohlrabi) aus dem peruanischen Altiplano. Die Hypokotylen (verdickter Stengel-Wurzelbereich) werden verzehrt – frisch in Peru oder zu Pulver/Extrakt getrocknet für den Weltmarkt.

Nährwertprofil (getrocknet): ~60 % Kohlenhydrate, ~10–14 % Protein, ~2 % Fett, reichlich Ballaststoffe, Eisen, Kalzium, Kalium, Zink, Jod. Sekundäre Pflanzenstoffe: Glucosinolate (Macamide, Makaene), Alkaloide, Sterole.

Maca und Libido/Sexualfunktion

Der beststudierteste Bereich:

  • Gonzales et al. (2002) und mehrere nachfolgende RCTs zeigen signifikante Verbesserungen der Libido bei Männern gegenüber Placebo nach 8–12 Wochen Maca-Einnahme.
  • Brooks et al. (2008): 3,5 g Maca täglich verbesserte sexuelle Dysfunktion durch SSRI-Antidepressiva signifikant.
  • Meta-Analyse (Shin et al., 2010): Schwache, aber statistisch signifikante Verbesserung der erektilen Dysfunktion durch Maca.
  • Wichtig: Effekte sind moderat und konsistent, aber nicht spektakulär. Wirkungsmechanismus unklar – nicht über Sexualhormone (Testosteron unverändert in den meisten Studien).

Maca und Energie

  • Traditionell als „andines Superfood“ für Energie und Ausdauer genutzt – von Inka-Kriegern und Andenbewohnern.
  • Studie mit Radsportlern (Stone et al., 2009): 2 g Maca täglich über 14 Tage verbesserte 40-km-Zeitfahrleistung ähnlich wie Ausdauertraining allein.
  • Subjektive Energieverbesserungen werden konsistent in Studien berichtet, aber objektive Leistungsmarker sind schwächer.
  • Mechanism: möglicherweise über verbesserten Stresstoleranz-Mechanismus (Glucosinolate als Adaptogen-ähnliche Substanzen).

Maca und Hormone

Ein wichtiges Missverständnis: Maca enthält keine Pflanzenhormone (Phytoöstrogene) in relevanten Mengen und wirkt nicht direkt auf Sexualhormone:

  • In den meisten gut kontrollierten Studien verändert Maca Testosteron, Östrogen, FSH oder LH nicht signifikant.
  • Libido-Verbesserungen ohne Hormonveränderungen legen zentralnervöse oder psychologische Mechanismen nahe.
  • Einige Studien zeigen moderate Senkung von FSH bei postmenopausalen Frauen und Verbesserung von Knochen-Markern – möglicherweise über Glucosinolat-Metabolite.

Maca für Frauen

  • Wechseljahre: Mehrere RCTs zeigen Reduktion von Wechseljahrsbeschwerden (Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme) durch Maca ohne Hormonveränderungen.
  • Daley et al. (2015): Maca reduzierte psychologische Wechseljahressymptome signifikant gegenüber Placebo.
  • Interessant für Frauen, die hormonelle Behandlung vermeiden möchten.
  • Fertilität: Tierexperimentelle Daten positiv (Ovulation, Eizellqualität), beim Menschen kaum RCT-Daten.
  • SSRI-induzierte Libidoreduktion: Maca zeigt in Studien Verbesserungen bei sowohl Männern als auch Frauen.

Farben und Formen

Maca kommt in verschiedenen Farben – gelb, rot und schwarz – mit leicht unterschiedlichen Nährstoffprofilen:

  • Gelbe Maca: Häufigste Form (~70 % der Ernte), gut untersucht für Libido und allgemeine Energie
  • Rote Maca: Höhere Glucosinolatgehalte, in Studien besonders für Prostatavolumen-Reduktion und Knochendichte gezeigt
  • Schwarze Maca: In Studien besonders für männliche Fertilität und Spermienqualität untersucht
  • Extrakte vs. Pulver: Gelatinisiertes Maca (vorgekochtes Pulver) ist leichter verdaulich als rohes Pulver; Extrakte (4:1 oder 10:1) erlauben kleinere Kapselmengen

Dosierung und Sicherheit

  • Klinisch eingesetzte Dosen: 1,5–5 g täglich (Pulver) oder äquivalente Extrakte
  • Dauer: Effekte setzen nach 4–6 Wochen ein; Studien laufen 6–12 Wochen
  • Sicherheit: Sehr gutes Sicherheitsprofil. Als Nahrungsmittel in Peru seit Jahrtausenden konsumiert. Keine bekannte Toxizität.
  • Schilddrüse: Als Kreuzblütler enthält Maca Glucosinolate, die theoretisch Schilddrüsenfunktion beeinflussen könnten. Bei Schilddrüsenerkrankungen mit Arzt absprechen; gelatinisiertes Maca (Glucosinolate reduziert) bevorzugen.
  • Schwangerschaft/Stillzeit: Keine ausreichenden Sicherheitsdaten. Vorsicht empfohlen.

Häufige Fragen zu Maca

Ist Maca ein Hormon-Booster?

Nein – Maca erhöht in den meisten gut kontrollierten Studien keine Sexualhormone. Diese Verwechslung ist weit verbreitet, weil Maca Libido und sexuelle Funktion verbessert, ohne dabei messbare Hormonveränderungen zu verursachen. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig verstanden – zentralnervöse Effekte und Modulation von Endocannabinoid-Rezeptoren werden diskutiert. Wer tatsächlichen Testosteronmangel hat, braucht medizinische Diagnostik und Therapie, keine Maca.

Kann man Maca täglich nehmen?

Ja, Maca gilt als sicher bei täglicher Einnahme über Monate (wie in klinischen Studien). Als traditionelles Nahrungsmittel in Peru wird es täglich und lebenslang konsumiert. Manche Anwender berichten von zyklischer Einnahme (z. B. 5 Tage nehmen, 2 Tage Pause) – dafür gibt es keine klare wissenschaftliche Grundlage, aber auch keinen Nachteil. Bei Schilddrüsenproblemen gelatinisiertes Maca bevorzugen und regelmäßig Schilddrüsenwerte kontrollieren.

Quellen

  • Gonzales GF et al. (2002): Effect of Lepidium meyenii (Maca) on sexual desire and its absent relationship with serum testosterone levels. Andrologia, 34(6): 367–372.
  • Daley A et al. (2015): Maca root extract as an alternative to hormone replacement therapy: an evidence based review. Maturitas, 80(1): 116–118.
  • Brooks NA et al. (2008): Beneficial effects of Lepidium meyenii (Maca) on psychological symptoms and measures of sexual dysfunction in postmenopausal women. Menopause, 15(6): 1157–1162.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Maca ist kein Ersatz für medizinische Diagnostik und Behandlung bei hormonellen Erkrankungen oder sexueller Dysfunktion.