Jod ist essentiell für die Schilddrüsenhormonsynthese – und gleichzeitig ist die Jodversorgung in Deutschland nach wie vor unzureichend. Zu wenig Jod führt zur Schilddrüsenvergrößerung (Struma) und Hypothyreose; zu viel kann bei Vorerkrankungen Probleme verursachen. Dieser Artikel erklärt die richtige Jodversorgung und die wichtige Wechselwirkung mit Selen.
Jod und Schilddrüse
Jod ist unentbehrlich für die Synthese der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Hormone regulieren:
- Grundumsatz und Energiestoffwechsel
- Herzfrequenz und Blutdruck
- Körpertemperaturregulation
- Gehirnentwicklung und Nervenfunktion (besonders in der Fetalentwicklung)
- Wachstum und Muskelentwicklung
EFSA-Claim: Jod „trägt zur normalen Funktion der Schilddrüse bei“ und „trägt zur normalen Schilddrüsenhormonproduktion bei“.
Jodmangel in Deutschland
Deutschland ist ein Jodmangel-Land. Der Boden ist durch geologische Geschichte jodarm. Maßnahmen wie Jodsalz (freiwillige Anreicherung von Speisesalz mit 15–25 µg/g) und Fütterung von Nutztieren mit jodhaltigen Futtermitteln haben die Lage verbessert, aber nicht vollständig gelöst.
Aktuelle Situation (KiGGS-Studie, RKI 2023):
- Ca. 30–40 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben eine unzureichende Jodversorgung
- Besonders betroffen: Schwangere, Veganer (kein Jodsalz bei selbst erstellten Mahlzeiten, wenig Fisch)
Jod und Selen: Wichtige Verbindung
Die Schilddrüse benötigt beide Spurenelemente gleichzeitig:
- Jod ist der Baustein für T4-Synthese
- Selen (Deiodinasen) aktiviert T4 zu T3
- Selen (Glutathionperoxidasen) schützt die Schilddrüse vor dem bei der Hormonsynthese entstehenden H₂O₂
Bei kombiniertem Jod- und Selenmangel (wie in Teilen Deutschlands vorkommend) ist die Schilddrüsenfunktion doppelt eingeschränkt. Die Supplementierung sollte daher idealerweise beide Spurenelemente berücksichtigen.
Jod in Lebensmitteln
Gute Jodquellen:
- Meeresfrüchte: Seelachs ca. 200 µg/100 g, Kabeljau ca. 130 µg/100 g
- Meeresalgen: Stark variabel, Nori ca. 40 µg/Blatt, Kombu-Algen extrem hoch (teils über 100.000 µg/100 g!)
- Jodsalz (angereichert): ca. 15–25 µg/g – 5 g Salz täglich liefert 75–125 µg
- Milch und Milchprodukte: ca. 20–60 µg/100 ml (von jodhaltiger Tierfütterung)
- Eier: ca. 25–40 µg/Ei
Dosierung: Wie viel Jod täglich?
- DGE-Empfehlung Erwachsene: 150–200 µg täglich
- Schwangere: 230 µg täglich
- Stillende: 260 µg täglich
- EFSA Tolerable Upper Level: 600 µg täglich (Erwachsene)
Für Schwangere und Veganer empfiehlt das BfR Jod-Supplementierung mit 100–150 µg täglich zusätzlich zur jodhaltigen Ernährung.
Jod bei Schilddrüsenerkrankungen
Zwei relevante Erkrankungen mit unterschiedlichen Empfehlungen:
- Hashimoto-Thyreoiditis: Autoimmune Schilddrüsenentzündung. Sehr hohe Joddosen (über 300 µg täglich) können bei Hashimoto-Patienten die Autoimmunaktivität vorübergehend verstärken. Bedarfsdeckende Mengen (150–200 µg) sind jedoch akzeptabel. Rücksprache mit dem behandelnden Endokrinologen.
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion ohne Autoimmunursache): Ausreichend Jod ist essentiell. Jodmangel-Hypothyreose spricht auf Jodsupplementierung gut an.
Häufige Fragen zu Jod
Sollten Veganer Jod supplementieren?
Ja, in der Regel sollten Veganer Jod supplementieren. Vegane Ernährung liefert ohne Jodsalz und Fisch kaum Jod. Empfehlung: 100–150 µg täglich aus einem Supplement. Achtung bei Algen-Supplements: Manche Algen (besonders Kombu/Wakame) enthalten extrem hohe Jodmengen und können zur Überdosierung führen. Nori-Algen haben moderaten Jodgehalt und sind für gelegentlichen Verzehr geeignet.
Kann zu viel Jod schaden?
Ja. Sehr hohe Joddosen (über 1.000 µg täglich chronisch) können paradox eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen (Wolff-Chaikoff-Effekt) oder bei vorerkrankter Schilddrüse (Knoten, Hashimoto) Funktionsstörungen hervorrufen. Im Rahmen der EFSA-Obergrenze (600 µg täglich) gilt Jod für Gesunde als sicher. Algen-Supplements mit nicht deklariertem Jodgehalt sind risikobehaftet.
Quellen
- BfR (2021): Jodversorgung in Deutschland. Bundesinstitut für Risikobewertung, FAQ.
- DGE (2020): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Jod. Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
- EFSA NDA Panel (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iodine. EFSA Journal, 12(5): 3660.
- Leung AM & Braverman LE (2014): Consequences of excess iodine. Nature Reviews Endocrinology, 10(3): 136–142.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei Schilddrüsenerkrankungen ist die Jod-Supplementierung individuell mit dem behandelnden Arzt oder Endokrinologen abzustimmen.
