Sporternährung entscheidet zwischen maximaler und mittelmäßiger Leistung. Jenseits von Marketing und Supplement-Hype gibt es eine klare Hierarchie: Makronährstoff-Timing, Protein-Qualität und Flüssigkeitshaushalt sind wichtiger als jedes Supplement. Dieser Leitfaden zeigt die wichtigsten Grundlagen der Sporternährung und welche Supplements tatsächlich Leistung und Regeneration verbessern.
Sporternährungs-Grundlagen
Die Prioritätenpyramide in der Sporternährung:
- 1. Gesamtenergiezufuhr: Ausreichende Kalorienzufuhr für Training und Regeneration. Relative Energiemangelversorgung (RED-S) ist häufig und beeinträchtigt Leistung, Hormonfunktion und Knochengesundheit.
- 2. Makronährstoff-Verteilung: Protein, Kohlenhydrate, Fette in sportartspezifischen Mengen.
- 3. Mikronährstoffe: Eisen, Vitamin D, Magnesium, B-Vitamine, Antioxidantien.
- 4. Meal-Timing: Pre-, Intra- und Post-Workout-Ernährung.
- 5. Supplements: Erst nach Optimierung der Basisernährung.
Protein: Menge, Timing, Qualität
- Bedarf Kraftsport: 1,6–2,2 g/kg täglich (Morton et al. Meta-Analyse: keine Vorteile über 2,2 g/kg)
- Bedarf Ausdauersport: 1,2–1,6 g/kg täglich
- Pro Mahlzeit: 0,3–0,4 g/kg (ca. 25–40 g); verteilt auf 4–5 Mahlzeiten optimal
- Leucin-Schwelle: Mindestens 2–3 g Leucin pro Mahlzeit für optimale mTOR-Aktivierung
- Qualität: Whey, Casein, Eier, Fisch haben höchsten DIAAS-Score. Pflanzliche Kombis (Reis+Erbse, Soja) können vergleichbare Muskelaufbau-Effekte erreichen.
- Casein vor dem Schlafen: 40 g langsam verdauliches Protein verbessert nächtliche Muskelproteinsynthese signifikant (van Loon-Studien).
Kohlenhydrate und Fette im Sport
- Glykogen: Primärer Energiespeicher für hochintensives Training. Ausdauersport: 5–10 g Kohlenhydrate/kg täglich je nach Trainingsvolumen.
- Pre-Workout Kohlenhydrate: 1–4 g/kg 1–4 Stunden vor dem Training für optimale Glykogenverfügbarkeit.
- Intra-Workout: Bei Einheiten über 60–90 Minuten: 30–60 g Kohlenhydrate/Stunde.
- Fett als Energiequelle: Bei Ausdauersport mit niedriger bis moderater Intensität dominiert Fettverbrennung. Ketogene Ernährung für Ausdauersport: kontrovers – kann Spitzenleistung bei maximaler Intensität beeinträchtigen.
Hydration
- Schon 2 % Körpergewichtsverlust durch Schwitzen reduziert kognitive und körperliche Leistung
- Trinken nach Durst ist meist ausreichend für moderates Training. Intensives Training: Trinken nach Plan (500–750 ml/Stunde)
- Elektrolyte (Natrium, Kalium) bei Einheiten über 90 Minuten oder schweißtreibendem Training
- Isotonische Getränke (6 % Kohlenhydrate + Elektrolyte) für Ausdauersport über 60 Minuten sinnvoll
Evidenzbasierte Sport-Supplements
Supplements mit starker (A-Evidenz) oder moderater (B-Evidenz) klinischer Evidenz:
- Kreatin Monohydrat (A): 3–5 g täglich; Kraft +5–15 %, schnelle Muskelmassezunahme, verbesserte HIIT-Leistung. Sicherste und am besten untersuchte leistungssteigernde Substanz.
- Koffein (A): 3–6 mg/kg 30–60 Min vor dem Training; verbessert Kraft, Ausdauer, Reaktionszeit, reduziert Erschöpfungswahrnehmung. Toleranzentwicklung bei täglicher Verwendung.
- Beta-Alanin (A): 3,2–6,4 g täglich (aufgeteilt); erhöht muskuläres Carnosin → Pufferung von Wasserstoffionen bei hochintensivem Training → weniger Muskelazidose. Besonders für 1–4-minütige Maximalbelastungen.
- Whey-Protein (A): Konvenienter Weg für optimale Proteinzufuhr post-workout.
- Omega-3 EPA/DHA (B): Reduziert Muskelkater, DOMS, Entzündungsmarker; verbessert Regeneration.
- Vitamin D3 (B): Bei Mangel Kraftverbesserungen; relevanter für Sportler in nordischen Ländern.
- L-Carnitin (B): Moderate Regenerations-Effekte, Ausdauer bei Langzeit-Supplementierung mit Kohlenhydraten.
Regenerationsernährung
- Post-Workout Fenster: Protein (25–40 g) + Kohlenhydrate (0,8–1 g/kg) innerhalb 2 Stunden nach intensivem Training für optimale Glykogenresynthese und Muskelproteinsynthese
- Sauerkirschsaft: 30 ml Konzentrat 2× täglich reduziert DOMS und Entzündungsmarker nach exzentrischem Training (RCTs)
- Tryptophan/Protein abends: Schlafqualität wichtig für Regeneration; Casein vor dem Schlafen
- Magnesium und Zink: Werden im Training verbraucht; ausreichende Versorgung für Schlaf und Erholung
Häufige Fragen zur Sporternährung
Brauche ich wirklich Protein direkt nach dem Training?
Das „anabole Fenster“ von 30 Minuten nach dem Training ist übertrieben. Aktuelle Forschung zeigt: Wenn vor dem Training Protein gegessen wurde, ist das Timing nach dem Training weniger kritisch – das Protein-Timing innerhalb von 2 Stunden ist ausreichend. Wenn das Training nüchtern erfolgt (morgens) oder ein langer Abstand zum nächsten Essen besteht, ist Post-Workout-Protein sinnvoller. Entscheidend ist die Gesamtproteinzufuhr über den Tag.
Sollte man vor dem Wettkampf spezielle Supplements nehmen?
Nur bewährte Supplements nutzen. Erstmals neue Supplements vor dem Wettkampf ausprobieren kann kontraproduktiv sein (GI-Probleme, unerwartete Reaktionen). Beta-Alanin verursacht anfangs Kribbeln – vorher gewöhnen. Koffein ist bewährt, aber nur wenn der Körper daran gewöhnt ist. Kreatin-Ladephase macht kurz vor dem Wettkampf kaum Sinn (dauert 4 Wochen). Pre-Workout-Drinks: oft überladen mit Koffein und Beta-Alanin – individuelle Verträglichkeit testen.
Quellen
- Morton RW et al. (2018): A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on gains in muscle mass. British Journal of Sports Medicine, 52(6): 376–384.
- Maughan RJ et al. (2018): IOC consensus statement: dietary supplements and the high-performance athlete. British Journal of Sports Medicine, 52(7): 439–455.
- Trexler ET et al. (2015): International society of sports nutrition position stand: beta-alanine. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 12: 30.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Sporternährung ist individuell verschieden – Ernährungsberatung durch Sportdiätologen für professionelle Sportler empfohlen.
