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Anweiden beim Pferd: Warum du langsam ans Gras gewöhnen musst
Frisches Frühjahrsgras ist zuckerreich und kann Kolik und Hufrehe auslösen. Wie du dein Pferd über Wochen sicher anweidest, welche Tageszeiten günstig sind und worauf Risikopferde achten müssen.
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Das Wichtigste in Kürze: Frisches, üppiges Frühjahrsgras ist reich an schnell fermentierbaren Kohlenhydraten (Zucker/Fruktan). Wird ein Pferd zu schnell darauf umgestellt, kann Zucker unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort Milchsäure bilden – ein direkter Auslöser für Kolik und Hufrehe. Deshalb: langsam anweiden, den Verdauungstrakt über etwa 2–3 Wochen anpassen und weiter Heu anbieten. Besonders übergewichtige oder rehegefährdete Pferde (EMS) brauchen strenges Weidemanagement – im Zweifel den Tierarzt einbinden.
Warum Frühjahrsgras riskant ist
Nach Kentucky Equine Research (KER) kann der hohe Anteil leicht fermentierbarer Kohlenhydrate im jungen Gras den Verdauungstrakt überfordern. Ein Teil des Zuckers umgeht die Verdauung im Dünndarm und landet im Hinterdarm, wo er zu Milchsäure vergärt. Das stört die Darmflora und begünstigt Kolik und Hufrehe. Besonders empfindlich sind übergewichtige Pferde mit Insulinresistenz (EMS) – bei ihnen kann schon wenig Gras eine Rehe auslösen.
So weidest du sicher an (Plan)
Ein bewährter, langsamer Aufbau über 2–3 Wochen – als Orientierung:
| Zeitraum | Weidezeit |
|---|---|
| Tag 1–3 | ~15 Minuten/Tag |
| Tag 4–7 | schrittweise auf 30–60 Min. |
| 2. Woche | täglich etwas mehr (1–3 Std.) |
| 3. Woche | weiter steigern bis zur Zielzeit |
Wichtig: Heu vorher füttern – Pferde nicht hungrig auf die Weide lassen, ein voller Magen bremst die Grasaufnahme. Und Heu weiter anbieten, auch wenn das Gras schon gut wächst.
Die beste Tageszeit
Der Zuckergehalt im Gras schwankt über den Tag: Er ist nachmittags/abends bei Sonne am höchsten und früh morgens am niedrigsten. Deshalb rehegefährdete Pferde eher früh morgens grasen lassen. Sonnige, kühle Tage und Frost meiden – dann speichert das Gras besonders viel Zucker.
Für Risikopferde besonders wichtig
- Fressbremse (Maulkorb), Streifenweide oder Auslauf mit wenig Gras.
- Gewicht kontrollieren und mit dem Tierarzt ein Management abstimmen.
- Bei bekannter Rehe-/EMS-Neigung kann ein komplettes Weideverbot in Risikozeiten nötig sein – das entscheidet der Tierarzt.
⚠️ Warnzeichen ernst nehmen
Bei Kolikanzeichen (Scharren, Wälzen, Flankenblick, kein Kotabsatz) oder Rehe-Anzeichen (klammer, trippelnder Gang, warme Hufe, pochende Pulsation an der Fessel, Entlastungshaltung) sofort den Tierarzt rufen – Hufrehe ist ein Notfall, bei dem jede Stunde zählt.
Häufige Fragen
Wie lange sollte man ein Pferd anweiden?
Als Orientierung über etwa 2–3 Wochen: mit wenigen Minuten (ca. 15) starten und die Weidezeit schrittweise erhöhen, damit sich der Verdauungstrakt anpassen kann. Währenddessen weiter Heu anbieten und Pferde nicht hungrig auf die Weide lassen.
Warum ist Frühjahrsgras gefährlich fürs Pferd?
Junges Gras enthält viel Zucker und Fruktan. Bei zu schneller Umstellung gelangt Zucker in den Dickdarm und wird zu Milchsäure vergoren, was Kolik und Hufrehe auslösen kann – besonders bei übergewichtigen oder insulinresistenten Pferden.
Welche Tageszeit ist zum Grasen am besten?
Für rehegefährdete Pferde ist der frühe Morgen günstiger, weil der Zuckergehalt im Gras dann am niedrigsten ist. Sonnige Nachmittage, kühle Tage und Frostperioden sollten gemieden werden, da der Zuckergehalt dann steigt.
Muss ich auch bei alter Weide langsam anweiden?
Ja. Jeder Wechsel von Heu auf frisches Gras – oder auf eine deutlich üppigere Weide – sollte langsam erfolgen, damit sich die Darmflora anpasst. Der Zuckergehalt frischen Grases ist immer höher als der von Heu.
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Quellen
- Kentucky Equine Research: Five Tips for Avoiding Pasture-Associated Laminitis in Horses. ker.com
- Kentucky Equine Research: Laminitis in Horses and Ponies on Pasture. ker.com
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung. Bei Kolik- oder Hufrehe-Anzeichen sofort den Tierarzt rufen. Ergänzungs-/Futtermittel sind keine Arzneimittel.