LifeVitalMagazin

Pferde

Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Fütterung und Vorbeugung

Hufrehe ist ein tierärztlicher Notfall. Was Hufrehe auslöst, warum Zucker/Stärke und Übergewicht das Risiko erhöhen und wie du mit Fütterung und Weidemanagement vorbeugst.

Redaktion
LifeVital Redaktion
Veröffentlicht
Aktualisiert
Lesedauer
4 Min.

Das Wichtigste in Kürze: Hufrehe (Laminitis) ist eine schmerzhafte, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung der Huflederhaut und ein tierärztlicher Notfall. Rund 90 % der Fälle hängen mit einer Insulin-Dysregulation zusammen (Stoffwechselstörung, z. B. EMS) – verstärkt durch zucker-/stärkereiche Fütterung, zuckerreiches Weidegras und Übergewicht. Die wichtigste Stellschraube zur Vorbeugung ist ein zucker-/stärkearmes Futter (NSC unter ~10 %), kontrolliertes Weidemanagement und ein gesundes Gewicht. Bei Reheverdacht sofort den Tierarzt rufen – jede Stunde zählt.

⚠️ Hufrehe ist ein Notfall

Zeigt dein Pferd Anzeichen einer akuten Hufrehe, rufe umgehend den Tierarzt – auch nachts und am Wochenende. Jede Stunde ohne Behandlung erhöht das Risiko einer bleibenden Hufbeinrotation oder -absenkung, die das Pferd dauerhaft schädigen kann.

Warnzeichen erkennen

  • Klammer, trippelnder Gang, Widerwille zu laufen (besonders auf hartem Boden, beim Wenden)
  • „Sägebock-Stellung": Vorderbeine nach vorn gestreckt, Gewicht auf der Hinterhand
  • pochende Pulsation an den Zehenarterien (fühlbar über der Fessel)
  • warme Hufe, empfindliche Reaktion auf Druck im Zehenbereich
  • häufiges Umtreten, vermehrtes Liegen, Bewegungsunlust

Meist sind die Vorderhufe betroffen (dort lastet mehr Gewicht), grundsätzlich kann es aber alle vier treffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die moderne Tiermedizin unterscheidet vor allem die hyperinsulinämie-assoziierte Hufrehe (HAL) – sie macht etwa 90 % aller Fälle aus. Vereinfacht: Zu viel Insulin im Blut schädigt die feinen Lamellen, die das Hufbein in der Hornkapsel aufhängen.

  • Insulin-Dysregulation / EMS (Equines Metabolisches Syndrom): häufig bei „guten Futterverwertern", verstärkt durch NSC-reiche Fütterung (NSC = Nichtstruktur-Kohlenhydrate, also Zucker + Stärke).
  • PPID (Equines Cushing-Syndrom): bei älteren Pferden; PPID allein löst selten Rehe aus, verschärft aber eine bestehende Insulin-Dysregulation. Bei Pferden ab 12–15 Jahren treten beide oft zusammen auf.
  • Zuckerreiches Weidegras – vor allem im Frühjahr/Herbst und an sonnigen, kühlen Tagen.
  • Übergewicht und regionale Fettdepots.
  • Kohlenhydrat-Überladung (z. B. versehentlich aufgerissener Kraftfuttersack) sowie schwere Infektionen/Belastungen (z. B. zurückgehaltene Nachgeburt) als seltenere Auslöser.

Ist mein Pferd gefährdet? (Risiko-Check)

Besonders aufmerksam sein solltest du bei:

  • Rasse/Typ: Ponys, Robustrassen und „easy keeper" sind deutlich häufiger betroffen als z. B. Vollblüter.
  • Cresty Neck: ein fester, verdickter Mähnenkamm ist ein klassisches Warnzeichen für EMS – ebenso Fettpolster an Schulter, Kruppe und Schweifansatz. Auch nicht dicke Pferde können betroffen sein.
  • Vorgeschichte: Ein Pferd, das schon einmal Rehe hatte, bleibt lebenslang gefährdet.
  • Alter: typisch 5–16 Jahre für EMS; PPID eher darüber.

Den Verdacht sichert der Tierarzt über Bluttests ab (z. B. Insulinwert nüchtern oder ein oraler Zuckertest) – Selbstdiagnose reicht hier nicht.

Fütterung: der zentrale Hebel

Die Fütterung entscheidet bei stoffwechselbedingter Rehe am meisten:

  • NSC niedrig halten: Als Orientierung gilt ein NSC-Gehalt unter ~10 % der Gesamtration (per Futter-/Heuanalyse).
  • Heu als Basis, Menge steuern: grob 2 % des Körpergewichts pro Tag bei normalgewichtigen, ca. 1,5 % bei übergewichtigen Pferden – Reduktion nur nach tierärztlicher/Ernährungsberatung, nie radikal hungern.
  • Heu einweichen: etwa 60 Minuten wässern senkt den Zuckergehalt spürbar.
  • Kraftfutter und Leckerlis bei gefährdeten Pferden weitgehend streichen.
  • Portionen strecken: Engmaschige Heunetze/Slowfeeder oder mehrere kleine Mahlzeiten vermeiden große Zucker-Spitzen.
  • Auf eine bedarfsgerechte Mineral- und Nährstoffversorgung achten (gerade bei reduziertem Kraftfutter).

Jede Rationsänderung bei einem rehegefährdeten oder erkrankten Pferd mit dem Tierarzt abstimmen.

Weidemanagement

  • Weidezugang begrenzen: Streifenweiden, Fressbremse (Maulkorb) oder ein abgefressener/karger Auslauf statt dichtem Gras.
  • Riskante Zeiten meiden: Der Zuckergehalt im Gras ist an sonnigen, kühlen Tagen sowie im Frühjahr und Herbst am höchsten – dann Weide reduzieren.
  • Anweiden langsam gestalten (siehe Anweiden).

Gewicht, Bewegung und Hufpflege

  • Gewicht: Ein gesundes Körpergewicht senkt das Rehe-Risiko deutlich – Abnehmen aber kontrolliert (Body Condition Score im Blick).
  • Bewegung: Bei gesunden Pferden verbessert regelmäßige Bewegung die Insulinempfindlichkeit und ist Teil des Managements. Im akuten Reheschub gilt dagegen strikte Boxenruhe nach tierärztlicher Anweisung – Bewegung würde die geschädigten Lamellen weiter belasten.
  • Hufpflege: Regelmäßiger, fachkundiger Beschlag/Barhufpflege (etwa alle 4 Wochen) stützt den Huf; im Rehefall arbeitet der Schmied eng mit dem Tierarzt zusammen.
  • Medikamente: Es gibt tierärztliche Optionen zur Behandlung der zugrunde liegenden Stoffwechselstörung – deren Auswahl und Dosierung gehört ausschließlich in tierärztliche Hand.

Häufige Fragen

Was löst Hufrehe beim Pferd aus?

In rund 90 % der Fälle eine Insulin-Dysregulation (EMS, oft mit Übergewicht; bei älteren Pferden PPID), verstärkt durch zucker-/stärkereiche Fütterung und zuckerreiches Weidegras. Seltener sind eine akute Kohlenhydrat-Überladung oder schwere Erkrankungen der Auslöser.

Wie kann ich Hufrehe vorbeugen?

Durch zucker-/stärkearmes Futter (NSC unter ~10 %, Heu ggf. einweichen), kontrolliertes Weidemanagement (Fressbremse, Streifenweide, riskante Zeiten meiden), ein gesundes Gewicht und regelmäßige tierärztliche Kontrolle gefährdeter Pferde.

Woran erkenne ich einen akuten Reheschub?

An klammem, trippelndem Gang, Bewegungsunwilligkeit, der typischen Sägebock-Stellung, pochendem Puls an den Zehenarterien und warmen, druckempfindlichen Hufen. Das ist ein Notfall – sofort den Tierarzt rufen.

Ist Hufrehe heilbar?

Hufrehe muss tierärztlich behandelt werden; der Verlauf hängt stark von schneller Behandlung und konsequentem Management ab. Rehegefährdete Pferde brauchen lebenslang eine angepasste Fütterung und regelmäßige Kontrolle – einmal Rehe bedeutet dauerhaft erhöhtes Risiko.

Mein Pferd hat einen dicken Mähnenkamm – ist das ein Warnzeichen?

Ja. Ein fester „Cresty Neck" und Fettpolster an Schulter/Kruppe deuten auf ein Equines Metabolisches Syndrom und damit auf ein erhöhtes Rehe-Risiko hin. Lass den Insulinstatus tierärztlich abklären.

Passende Artikel

Quellen

  • Merck Veterinary Manual: Equine Metabolic Syndrome. merckvetmanual.com
  • Pasture nonstructural carbohydrates and equine laminitis. PubMed. PubMed

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Hufrehe ist ein Notfall – bei Verdacht sofort den Tierarzt rufen. Ergänzungs-/Futtermittel sind keine Arzneimittel.