LifeVitalMagazin

Pferde

Entwurmung beim Pferd: Warum die Kotprobe die bessere Wahl ist

Ständiges Entwurmen nach Kalender ist überholt. Warum die selektive Entwurmung per Kotprobe Resistenzen bremst, wie die Eizahl-Schwellen funktionieren, welche Ausnahmen es gibt und was der Tierarzt macht.

Redaktion
LifeVital Redaktion
Veröffentlicht
Lesedauer
3 Min.

Das Wichtigste in Kürze: Das früher übliche Entwurmen nach festem Kalender gilt heute als überholt – es fördert Resistenzen gegen Wurmmittel. Moderner Standard ist die selektive (gezielte) Entwurmung: Über eine Kotprobe (Eizahlbestimmung, FEC) wird geprüft, welche Pferde tatsächlich viele Eier ausscheiden – nur diese werden behandelt. Denn: Wenige Pferde tragen den Großteil der Würmer (rund 20 % der Tiere ~80 % der Last). Wurmmittel sind Arzneimittel – Strategie, Auswahl und Dosierung gehören zum Tierarzt.

Warum nicht mehr „nach Kalender"?

Das routinemäßige, häufige Entwurmen aller Pferde hat über die Jahre Resistenzen gefördert – Wurmmittel wirken dadurch schlechter, und neue Wirkstoffe sind kaum in Sicht. Ziel ist deshalb, die Zahl unnötiger Behandlungen zu senken, ohne die Pferde zu gefährden.

Wie selektive Entwurmung funktioniert

  • Kotprobe (FEC): misst die Eier pro Gramm Kot (EPG).
  • Refugium-Prinzip: Weil 50–75 % der erwachsenen Pferde ohnehin wenig ausscheiden, schont man mit gezielter Behandlung sowohl das Pferd als auch die Wirksamkeit der Mittel. Ein „Reservoir" unbehandelter Würmer (in niedrig ausscheidenden Pferden) bremst die Resistenzbildung, weil nicht alle Würmer dem Wirkstoff ausgesetzt werden.

Die Schwellenwerte im Überblick

Eizahl (EPG)Bedeutung / Vorgehen
0–200niedriger Ausscheider – meist keine Behandlung
200–500Grenzbereich – international oft >200 EPG als Behandlungsschwelle
>500starker Ausscheider – behandeln (AAEP-Empfehlung)

Die genauen Werte richten sich nach Labor, Region und Beratung durch den Tierarzt.

Wichtige Ausnahmen

Nicht alles lässt sich per Kotprobe steuern:

  • Bandwürmer und bestimmte Larvenstadien werden mit der Standard-FEC nicht zuverlässig erfasst – hier sind gezielte Behandlungen (z. B. saisonal) nötig.
  • Fohlen und Jungpferde brauchen ein eigenes, engmaschigeres Konzept.
  • Das passende Programm hängt von Alter, Haltung, Weidemanagement und Region ab.

Deshalb: Ein individueller Entwurmungsplan wird mit dem Tierarzt erstellt.

Was du selbst tun kannst

  • Kotproben regelmäßig (z. B. mehrmals jährlich) untersuchen lassen.
  • Weidehygiene: Kot regelmäßig absammeln (2× pro Woche ideal), Besatzdichte begrenzen, Weiden wechseln.
  • Neuzugänge untersuchen/behandeln, bevor sie auf die Weide kommen (Quarantäne).
  • Behandlungserfolg prüfen (Eizahl-Reduktionstest) – so erkennt man Resistenzen früh.

Häufige Fragen

Wie oft muss ich mein Pferd entwurmen?

Nicht mehr pauschal nach Kalender. Beim selektiven Ansatz werden regelmäßig Kotproben untersucht und nur die Pferde behandelt, die viele Eier ausscheiden. Wie oft geprüft und behandelt wird, hängt von Alter, Haltung und Region ab und wird mit dem Tierarzt festgelegt.

Was ist eine selektive Entwurmung?

Bei der selektiven (gezielten) Entwurmung entscheidet eine Kotprobe über die Behandlung: Pferde mit hoher Eizahl werden entwurmt, niedrige Ausscheider bleiben unbehandelt. Das reduziert unnötige Behandlungen und bremst die Entwicklung von Resistenzen.

Reicht die Kotprobe allein aus?

Nein, nicht in allen Fällen. Bandwürmer und bestimmte Larvenstadien werden mit der Standard-Kotprobe nicht zuverlässig erfasst, und Fohlen brauchen ein eigenes Konzept. Deshalb sollte ein individueller Entwurmungsplan mit dem Tierarzt kombiniert werden.

Wie hilft Weidehygiene gegen Würmer?

Regelmäßiges Absammeln des Kots (ideal 2× pro Woche) entfernt Wurmeier, bevor sie sich zu ansteckenden Larven entwickeln. Zusammen mit begrenzter Besatzdichte und Weidewechsel senkt das den Infektionsdruck – oft mehr als jede zusätzliche Wurmkur.

Passende Artikel

Quellen

  • Nielsen MK et al.: Evaluation of Fecal Egg Count Tests for Control of Equine Intestinal Strongyles. Vet Parasitol. PMC
  • Veterinary Ireland Journal: Equine Faecal Egg Counts and Reducing Anthelmintic Resistance. veterinaryirelandjournal.com

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Wurmmittel sind Arzneimittel – Entwurmungsstrategie, Wirkstoffwahl und Dosierung legt der Tierarzt fest.