LifeVitalMagazin

Pferde

Übergewicht beim Pferd: Sicher abnehmen ohne Crash-Diät

Zu dicke Pferde haben ein hohes Rehe-Risiko. Wie du den Body Condition Score einschätzt, das Raufutter richtig begrenzt, warum eine zu strenge Diät gefährlich ist und was bei EMS gilt.

Redaktion
LifeVital Redaktion
Veröffentlicht
Aktualisiert
Lesedauer
3 Min.

Das Wichtigste in Kürze: Übergewicht ist beim Pferd ein ernstes Gesundheitsrisiko – es hängt eng mit Insulinresistenz (EMS) und Hufrehe zusammen. Abnehmen gelingt über kontrollierte Raufuttermengen, Streichen von Kraftfutter, begrenztes Weidegras und mehr Bewegung. Wichtig: keine Crash-Diät – zu strenges Hungern kann bei Pferden gefährliche (bis tödliche) Stoffwechselentgleisungen auslösen. Deshalb Gewichtsabbau langsam angehen und – gerade bei EMS – mit Tierarzt/Fütterungsberatung planen.

Warum Übergewicht gefährlich ist

Zu viel Körperfett fördert Insulinresistenz und Entzündungsprozesse. Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) sind übergewichtig, insulinresistent und rehegefährdet. Hufrehe ist schmerzhaft und ein Notfall – Gewichtsmanagement ist deshalb echte Vorsorge. Zusätzlich belastet Übergewicht Gelenke, Herz-Kreislauf und die Hitzeregulation.

Gewicht einschätzen (BCS)

  • Body Condition Score (BCS): Rippen sollten fühlbar (nicht sichtbar) sein; achte auf Fettpolster an Mähnenkamm, Schulter, hinter dem Widerrist, an der Kruppe und am Schweifansatz.
  • Maßband/Gewichtsband und regelmäßiges Nachmessen helfen, den Verlauf zu verfolgen (die absolute Zahl ist weniger wichtig als der Trend).
  • Ein harter „Mähnenkamm" (Cresty Neck) ist ein Warnzeichen für EMS/Insulinresistenz.

So nimmt das Pferd sicher ab

Angelehnt an Kentucky Equine Research (KER):

  • Raufutter kontrolliert begrenzen: oft auf etwa 1,25 % des Körpergewichts (Trockenmasse) pro Tag; sehr schwere Fälle ggf. 1 % – aber nie unter fachlicher Begleitung ganz „auf null".
  • Kraftfutter und Leckerlis streichen, nur bedarfsgerechtes Mineralfutter behalten (die Mikronährstoffe fehlen sonst).
  • Weidegras begrenzen: Fressbremse, Streifenweide, magere Ausläufe; zuckerreiche Zeiten meiden.
  • Fresszeit strecken: engmaschige Heunetze, damit die reduzierte Menge länger reicht (magenfreundlich, weniger Langeweile).
  • Mehr Bewegung: langsam aufbauen, an Gesundheitszustand und Hufe anpassen – bei akuter Rehe erst nach tierärztlicher Freigabe.

⚠️ Warum keine Crash-Diät?

Zu strenge Restriktion kann bei Pferden zu schweren Stoffwechselproblemen führen – vor allem Hyperlipämie (Fettstoffwechselentgleisung), besonders bei Ponys, Eseln und tragenden/laktierenden Stuten, teils lebensbedrohlich. Deshalb: Gewicht langsam reduzieren, Raufutter nie komplett entziehen und den Plan mit dem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung abstimmen.

Häufige Fragen

Wie viel Heu darf ein übergewichtiges Pferd bekommen?

Als Orientierung oft rund 1,25 % des Körpergewichts als Trockenmasse pro Tag, in hartnäckigen Fällen etwas weniger – aber immer unter fachlicher Begleitung. Raufutter sollte nie ganz gestrichen werden, da das gefährliche Stoffwechselprobleme auslösen kann.

Warum ist Übergewicht beim Pferd so gefährlich?

Weil es eng mit Insulinresistenz (EMS) und Hufrehe zusammenhängt. Hufrehe ist schmerzhaft und ein Notfall. Ein schlankes Gewicht senkt dieses Risiko deutlich, weshalb Gewichtsmanagement echte Vorsorge ist.

Wie schnell darf ein Pferd abnehmen?

Langsam und kontrolliert. Crash-Diäten sind gefährlich und können – vor allem bei Ponys – lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen auslösen. Am besten den Abnehmplan mit dem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung erstellen und den Verlauf per Gewichtsband verfolgen.

Woran erkenne ich EMS bei meinem Pferd?

Typisch sind Übergewicht mit hartnäckigen Fettpolstern (z. B. harter Mähnenkamm), wiederkehrende Hufrehe und eine gestörte Insulinregulation. Sicher feststellen lässt sich EMS über Bluttests beim Tierarzt – bei Verdacht sollte man es abklären lassen.

Passende Artikel

Quellen

  • Kentucky Equine Research: Weight Loss Management in Obese Horses. ker.com
  • Kentucky Equine Research: Nutritional Management of Equine Metabolic Syndrome. ker.com

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung. Vor einer Diät – besonders bei EMS oder Ponys – den Tierarzt/eine Fütterungsberatung hinzuziehen. Ergänzungs-/Futtermittel sind keine Arzneimittel.