LifeVitalMagazin

Pferde

Mineralfutter fürs Pferd: Warum Heu allein oft nicht reicht

Heu und Weide decken den Mineralbedarf des Pferds oft nicht – vor allem Kupfer, Zink, Selen, Jod und Salz fehlen. So ergänzt du sinnvoll mit Mineralfutter oder Ration-Balancer.

Redaktion
LifeVital Redaktion
Veröffentlicht
Aktualisiert
Lesedauer
4 Min.

Das Wichtigste in Kürze: Eine reine Heu- und Weidefütterung deckt den Mineral- und Spurenelementbedarf vieler Pferde nicht vollständig. Vor allem Kupfer, Zink, Selen, Jod und Natrium (Salz) fehlen häufig, während Eisen meist im Überschuss vorliegt. Ein passendes Mineralfutter oder ein Ration-Balancer gleicht diese Lücken aus. Wichtig ist die Balance (z. B. Zink:Kupfer etwa 3:1 bis 4:1) – und Vorsicht bei Selen, das eine enge Spanne zwischen Bedarf und Überversorgung hat. Die genaue Auswahl richtet sich nach Grundfutter, Region und Pferd – im Zweifel mit dem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung abstimmen.

Warum Heu allein oft nicht reicht

Gräser und Heu liefern Energie und Struktur, sind aber bei mehreren Spurenelementen häufig arm. Kupfer und Zink liegen oft niedrig, während Eisen in Weide, Boden und Wasser meist reichlich vorhanden ist. Zu viel Eisen kann die Aufnahme von Kupfer und Zink zusätzlich hemmen – die Unterversorgung wird also doppelt begünstigt.

Dazu kommt: Natrium (Salz) ist in Grünfutter kaum enthalten, und Selen sowie Jod schwanken stark je nach Region und Bodenbeschaffenheit. Ohne gezielten Ausgleich kann es langfristig zu einer Unterversorgung kommen – mit Folgen für Fell, Hufe, Stoffwechsel und Immunsystem. Eine Heu- oder Grundfutteranalyse ist der zuverlässigste Weg, die tatsächlichen Lücken zu erkennen, statt „nach Gefühl" zu ergänzen.

Die wichtigsten Mineralstoffe im Überblick

Als Orientierung – Richtwerte gelten grob für ein 500-kg-Pferd im Erhaltungsbedarf (nach Merck Veterinary Manual):

NährstoffFunktionHinweis
Kalzium / PhosphorKnochen, Muskel, NervenVerhältnis idealerweise ca. 1,5:1 (Ca:P), nie umkehren
KupferBindegewebe, Fell-/Hufpigment, EisenstoffwechselBedarf ca. 100 mg/Tag; im Heu oft knapp
ZinkHaut, Fell, Hufhorn, ImmunsystemVerhältnis Zink:Kupfer ~3:1 bis 4:1 anstreben
SelenZellschutz, MuskelfunktionEnge Sicherheitsspanne – nicht auf Verdacht überdosieren
JodSchilddrüse, StoffwechselJodiertes Salz deckt den Bedarf meist; Seealgen können überdosieren
MagnesiumMuskel, Nerven, RuheBei Sport-/Schwitzverlusten erhöht

Wichtig ist nicht nur die Menge, sondern die Balance: Ein Überschuss eines Elements kann die Aufnahme eines anderen blockieren. Gerade Selen verlangt Respekt – die Spanne zwischen Bedarf (ca. 1 mg/Tag) und Überversorgung ist eng, und Vergiftungszeichen reichen bis zu Mähnen-/Schweifhaarausfall und Hufproblemen.

Salz nicht vergessen

Der am meisten unterschätzte Punkt: Natrium. Es kommt in Forage praktisch nicht vor, wird aber über Schweiß verloren – bei harter Arbeit können in ein bis zwei Stunden über 30 g verloren gehen. Ein Salzleckstein zur freien Verfügung ist Pflicht; leistungsstarke oder stark schwitzende Pferde brauchen oft zusätzlich losen Salzausgleich. Die individuelle Aufnahme am Leckstein schwankt stark, deshalb bei viel Arbeit nicht allein darauf verlassen.

Mineralfutter oder Ration-Balancer?

  • Mineralfutter: konzentrierte Mineral-/Vitaminquelle, in kleinen Mengen (oft einige Gramm bis wenige 100 g) zum Grundfutter. Ideal, wenn Energie und Eiweiß über Heu/Weide ausreichend gedeckt sind und nur die Mikronährstoffe fehlen.
  • Ration-Balancer: liefert zusätzlich hochwertiges Eiweiß/Aminosäuren (z. B. Lysin) neben Mineralstoffen und Vitaminen – sinnvoll, wenn das Grundfutter auch proteinarm ist, ohne dass man große Mengen Kraftfutter (und damit Kalorien/Stärke) zuführen möchte. Gut für „leichtfuttrige" Pferde an reiner Raufutter-Ration.

Die passende Wahl hängt von Grundfutteranalyse, Region, Leistung und Lebensphase ab.

So dosierst du richtig

  1. Bedarfsgerecht dosieren: Herstellerangabe, Körpergewicht und Grundfutter berücksichtigen.
  2. Nicht wahllos kombinieren: Mehrere mineralisierte Zusatzfutter parallel können schnell zu Überversorgung führen – besonders bei Selen kritisch.
  3. Eisen nicht extra zufüttern: Es ist fast immer schon reichlich vorhanden.
  4. Analyse als Basis: Eine Heuanalyse zeigt, was wirklich fehlt – das spart Geld und vermeidet Fehlversorgung.
  5. Umstellung langsam und Wasseraufnahme im Blick behalten.

Besondere Lebensphasen

Erhöhter oder veränderter Bedarf besteht bei:

  • Fohlen und Jungpferden (Skelettentwicklung – Kupfer/Zink und Ca:P besonders wichtig)
  • tragenden und laktierenden Stuten
  • Sportpferden (Schweißverluste: Natrium, Magnesium)
  • Stoffwechselpferden (z. B. EMS, PPID) – hier gehört die Ration in fachkundige Hände

In diesen Fällen lohnt sich eine individuelle Fütterungsberatung.

Häufige Fragen

Braucht jedes Pferd Mineralfutter?

Die meisten Pferde profitieren von einem Ausgleich, weil Heu und Weide oft nicht alle Spurenelemente und kein Natrium decken. Menge und Art hängen vom Grundfutter ab – idealerweise auf Basis einer Heuanalyse.

Welche Mineralstoffe fehlen im Heu am häufigsten?

Vor allem Kupfer und Zink, oft auch Selen und Jod – und praktisch immer Natrium (Salz). Eisen ist dagegen meist im Überschuss vorhanden und sollte nicht zusätzlich gefüttert werden.

Kann man Mineralfutter überdosieren?

Ja. Besonders Selen hat eine enge Sicherheitsspanne, und auch Jod oder Zink können überdosiert werden. Nicht mehrere mineralisierte Futter unkontrolliert kombinieren, die Dosierung einhalten und im Zweifel beraten lassen.

Reicht ein Salzleckstein als Mineralausgleich?

Nein. Ein Salzleckstein deckt nur den Natriumbedarf (und das nicht immer zuverlässig), nicht aber Kupfer, Zink, Selen oder Jod. Für diese Spurenelemente braucht es ein Mineralfutter oder einen Balancer.

Was ist besser – Mineralfutter oder Ration-Balancer?

Mineralfutter, wenn nur die Mikronährstoffe fehlen; ein Ration-Balancer, wenn zusätzlich Eiweiß knapp ist, ohne dass man viel Kraftfutter geben will. Die Entscheidung hängt vom Grundfutter und vom Pferd ab.

Passende Artikel

Quellen

  • Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other Equids. merckvetmanual.com
  • University of Minnesota Extension: Feeding your horse a ration balancer. extension.umn.edu

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche oder fütterungsberaterische Beratung. Bei Fragen zur Ration deines Pferds – besonders bei Fohlen, Zuchtstuten, Sport- oder Stoffwechselpferden – wende dich an den Tierarzt oder eine qualifizierte Fütterungsberatung.