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Zeolith beim Pferd: Zulassung, Menge und Sicherheit
Zeolith ist im Pferdefutter erlaubt – aber als technologischer Zusatzstoff, nicht als Entgiftungsmittel. Was die EU-Zulassung wirklich abdeckt, welche Höchstmenge gilt und worauf du beim Kauf achten solltest.
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Das Wichtigste in Kürze: Zeolith – genauer Klinoptilolith sedimentären Ursprungs – ist in der EU als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten zugelassen, unter der Kennnummer 1g568. Die Zulassung gilt allerdings ausschließlich für technologische Funktionen: als Bindemittel und als Trennmittel. Ein gesundheitsbezogener Nutzen ist damit nicht zugelassen. Die Höchstmenge liegt bei 10.000 mg je kg Alleinfutter (1 %) – und zwar aus allen Quellen zusammen. Wichtig für den Produktvergleich: Klinoptilolith vulkanischen Ursprungs ist etwas anderes und derzeit nicht als Futtermittelzusatzstoff zugelassen. Wer Zeolith füttert, sollte deshalb wissen, was er tatsächlich kauft: ein Mineral mit belegten physikalischen Eigenschaften, aber ohne belegte Heilwirkung.
Was Zeolith überhaupt ist
Zeolithe sind kristalline Alumosilikate. Sie kommen in der Natur vor und werden auch synthetisch hergestellt. Ihr Kristallgitter bildet ein regelmäßiges System aus Hohlräumen und Kanälen – vergleichbar mit einem mineralischen Schwamm auf molekularer Ebene. Daraus folgen zwei physikalisch gut beschriebene Eigenschaften:
- Adsorption: In den Poren können Moleküle passender Größe angelagert werden.
- Ionenaustausch: Locker gebundene Kationen im Gitter – etwa Natrium, Kalium, Calcium – lassen sich gegen andere Kationen austauschen.
Klinoptilolith ist die im Futtermittelbereich relevante Zeolith-Form. Der Zusatz „sedimentären Ursprungs" ist keine Marketingfloskel, sondern Teil der rechtlichen Bezeichnung: Nur diese Variante ist als Futtermittelzusatzstoff zugelassen.
Wichtig für die Einordnung: Diese Eigenschaften sind unspezifisch. Ein Zeolith unterscheidet nicht zwischen „Schadstoff" und „Nährstoff" – er bindet, was von Größe und Ladung her passt. Genau daraus ergeben sich später die praktischen Einschränkungen.
Wofür Zeolith im Pferdefutter zugelassen ist
Hier liegt der Punkt, den die meisten Produktbeschreibungen auslassen. Klinoptilolith sedimentären Ursprungs ist als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten zugelassen – aktuell über die Durchführungsverordnung (EU) 2026/167 vom 26. Januar 2026. Sie hat die frühere Verordnung (EU) Nr. 651/2013 ausdrücklich aufgehoben und die Zulassung bis zum 16. Februar 2036 verlängert. Wenn du also irgendwo noch „651/2013" liest: Das ist der alte Stand.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Kennnummer | 1g568 – eine einzige, für beide Funktionsgruppen |
| Kategorie | Technologische Zusatzstoffe |
| Funktionsgruppen | Bindemittel und Trennmittel |
| Spezifikation | ≥ 80 % Klinoptilolith, ≤ 20 % Tonminerale, faser- und quarzfrei |
| Tierarten | alle |
| Höchstgehalt | 10.000 mg/kg Alleinfuttermittel (12 % Feuchte), aus allen Quellen zusammen |
| Zulassung gültig bis | 16.02.2036 |
Ein kleines Detail mit Signalwirkung: Es gibt nur die Kennnummer 1g568. Wenn ein Produkt eine „1i568" ausweist, ist die Deklaration falsch abgeschrieben – die Trennmittel-Funktion läuft unter derselben Nummer.
Beides sind herstellungstechnische Funktionen. Sie beschreiben, was der Stoff im Futter macht – nicht, was er im Tier bewirken soll.
Entscheidend ist die Summenklausel: Der Höchstgehalt gilt für alle Quellen zusammen. Wer ein Mineralfutter füttert, das Klinoptilolith bereits als Trennmittel enthält, und zusätzlich ein separates Zeolithpulver gibt, kann die Grenze unbemerkt überschreiten.
Wo du das nachlesen kannst: Das BVL veröffentlicht die amtlichen Listen der zugelassenen Zusatzstoffe nach Funktionsgruppen. Beide – Bindemittel und Trennmittel – führen den Stoff unter 1g568 und nennen bereits die Verordnung 2026/167.
Sedimentär oder vulkanisch? Ein Unterschied mit Folgen
Viele Zeolithprodukte werben mit „Naturzeolith vulkanischen Ursprungs" oder „Vulkanmineral". Das klingt nach demselben Stoff, ist rechtlich aber ein anderer.
Zugelassen ist ausschließlich Klinoptilolith sedimentären Ursprungs. Für Klinoptilolith vulkanischen Ursprungs läuft derzeit ein Erstzulassungsverfahren. Die EFSA schreibt dazu im Dezember 2025 wörtlich:
„The additive clinoptilolite of volcanic origin is currently not authorised as a feed additive in the European Union."
In ihrer Bewertung konnte die Behörde die Sicherheit nur für bestimmte Geflügel- und Schweinekategorien bejahen – für Pferde ausdrücklich nicht. Eine eigene Kennnummer existiert nicht, in den BVL-Listen taucht das Material nicht auf.
Praktisch heißt das: Ein als Zusatzstoff verkauftes Produkt „Klinoptilolith vulkanischen Ursprungs" bewegt sich derzeit außerhalb der Zulassung. Prüfe deshalb nicht den Werbetext, sondern die Deklaration auf dem Etikett.
Zusatzstoff oder Einzelfuttermittel? Zwei Wege, dasselbe Gestein
Bevor du ein Produkt an der Kennnummer misst, lohnt ein Blick darauf, als was es überhaupt verkauft wird. Es gibt zwei Wege, und sie sehen auf dem Etikett unterschiedlich aus:
| Futtermittelzusatzstoff | Einzelfuttermittel | |
|---|---|---|
| Erkennbar an | Feld „Zusatzstoffe" mit Kennnummer 1g568 | Feld „Zusammensetzung", z. B. „100 % Zeolith" |
| Was geregelt ist | Zulassung mit Spezifikation, Höchstgehalt, Tierarten | keine Einzelzulassung; es gilt allgemeines Futtermittelrecht |
| Rolle | technologische Funktion im Futter | das Mineral ist selbst das Futtermittel |
Beide Wege sind grundsätzlich gangbar – sie unterliegen nur unterschiedlichen Regeln. Entscheidend für die Einordnung ist der objektive Verwendungszweck: Wird ein Mineral ausschließlich mit Wirkungen beworben, die einem zulassungspflichtigen Zusatzstoff-Zweck entsprechen, passt die Einstufung als Einzelfuttermittel nicht mehr.
Was das für dich beim Einkauf bedeutet: Vergleiche nicht Werbetexte, sondern Deklarationsfelder. Steht dort eine Kennnummer, muss sie 1g568 lauten und die Bezeichnung „sedimentären Ursprungs" tragen. Steht dort stattdessen eine Zusammensetzung ohne Zusatzstofffeld, ist es ein Einzelfuttermittel – dann sind Klinoptilolith-Anteil, Reinheit und Herkunftsnachweis deine wichtigsten Kriterien.
Wobei Zeolith eingesetzt wird – und was dazu untersucht ist
In der Praxis greifen Pferdehalter meist aus drei Gründen zu Zeolith. Es lohnt sich, die Studienlage dazu getrennt zu betrachten – sie ist unterschiedlich gut.
Mykotoxine im Heu
Der häufigste Anlass. Schimmelpilzgifte in Heu, Stroh oder Silage sind ein reales Problem, und Zeolith wird als Binder beworben.
Hier lohnt der genaue Blick ins Futtermittelrecht: Für Stoffe, die Mykotoxine binden sollen, existiert eine eigene Funktionsgruppe – „Stoffe zur Verringerung der Kontamination von Futtermitteln mit Mykotoxinen". Für diese Gruppe ist beispielsweise Bentonit zugelassen, und zwar ausdrücklich zur Verringerung von Aflatoxin B1 (Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1060/2013).
Die Zulassung von Klinoptilolith umfasst genau diese Funktionsgruppe nicht – sie beschränkt sich auf Bindemittel und Trennmittel. Wer gezielt gegen eine Mykotoxinbelastung vorgehen will, sollte das wissen: Ein Produkt, dessen Zulassung „Trennmittel" lautet, ist kein geprüfter Mykotoxinbinder.
Wichtiger als jeder Binder ist ohnehin die Ursache: Heuqualität, Ernte- und Lagerbedingungen. Verdorbenes Heu wird durch einen Zusatzstoff nicht zu gutem Heu.
Ammoniak im Stall
Zeolithe binden Ammonium-Ionen – das ist ihre Ionenaustauscheigenschaft und der Grund, warum sie in der Einstreu eingesetzt werden. Für die Stallluft ist das der plausibelste Anwendungsfall überhaupt, und er hat nichts mit Fütterung zu tun. Wenn dich Ammoniakgeruch stört, ist Zeolith in der Einstreu der direktere Weg als im Futter.
Silizium für Knochen und Sehnen
Hier steckt der häufigste Fehler in der Produktwerbung. Es gibt tatsächlich Pferdestudien, die eine bessere Siliziumversorgung und einen Zusammenhang mit Knochenstabilität bei jungen Rennpferden zeigen – diese Studien wurden aber mit „Zeolith A" durchgeführt, einem synthetischen Natrium-Alumosilikat. Das ist nicht dasselbe Mineral wie das natürliche Klinoptilolith in Futterergänzungen.
Wer diese Studien für ein Klinoptilolith-Produkt zitiert, überträgt Ergebnisse auf einen anderen Stoff. Die belastbareren Klinoptilolith-Untersuchungen stammen überwiegend von Rind, Kalb und Schwein – nicht vom Pferd.
Kurz: Die Datenlage speziell zu Klinoptilolith beim Pferd ist dünn. Das ist kein Beleg dafür, dass es nicht wirkt – aber eben auch keiner dafür, dass es wirkt.
Was die Werbung verspricht – und was davon belegt ist
Zeolith wird häufig mit Begriffen wie „Entgiftung", „Entschlackung", „Ausleitung" oder „Darmsanierung" beworben. Diese Formulierungen haben mit der Zulassung nichts zu tun.
Der Unterschied ist grundsätzlich: Zugelassen ist eine technologische Funktion, keine gesundheitsbezogene Wirkung. Wollte ein Hersteller eine gesundheitsbezogene Wirkung ausloben, müsste diese eigenständig geprüft und zugelassen sein – über die Funktionsgruppe der zootechnischen Zusatzstoffe. Für die Bindemittel- und Trennmittel-Zulassung ist eine solche Prüfung ausdrücklich nicht erfolgt.
Auch der Begriff „Schlacken" hat keine Entsprechung in der Physiologie. Pferde besitzen mit Leber, Nieren und Darm funktionierende Entgiftungsorgane; ein Mineral, das im Darmlumen adsorbiert, ersetzt oder unterstützt diese nicht in einer Weise, die belegt wäre.
Das heißt nicht, dass Zeolith wirkungslos ist – die Adsorptions- und Ionenaustauscheigenschaften sind real und messbar. Es heißt: Zwischen „hat physikalische Eigenschaften" und „nützt dem Pferd gesundheitlich" liegt ein Nachweis, den es für diese Anwendung nicht gibt.
Wie viel darf ins Futter? Die 1-%-Grenze konkret
Die Höchstmenge von 10.000 mg je kg klingt abstrakt. Für die tägliche Ration heißt das ungefähr Folgendes:
Ein Warmblut mit 600 kg nimmt pro Tag rund 1,5 bis 2 % seines Körpergewichts als Trockenmasse auf – also etwa 9 bis 12 kg Futter insgesamt, überwiegend Raufutter.
| Pferd | Tagesration (TM) | Rechnerische Obergrenze (1 %) |
|---|---|---|
| Pony, 350 kg | ca. 5–7 kg | ca. 50–70 g/Tag |
| Warmblut, 600 kg | ca. 9–12 kg | ca. 90–120 g/Tag |
| Kaltblut, 800 kg | ca. 12–16 kg | ca. 120–160 g/Tag |
Drei Dinge sind an dieser Rechnung wichtig:
- Sie ist eine Orientierung, kein Grenzwert für die Praxis. Der Höchstgehalt bezieht sich rechtlich auf Alleinfuttermittel; eine Pferderation besteht überwiegend aus Raufutter. Die exakte Einordnung gehört in die Hand eines Fütterungsberaters.
- Der Wert gilt für alles zusammen. Enthält dein Mineral- oder Kraftfutter bereits Klinoptilolith als Trennmittel, zählt das mit.
- Die Obergrenze ist keine Zielmenge. Herstellerempfehlungen liegen üblicherweise deutlich darunter. Mehr ist bei einem unspezifischen Adsorber nicht besser – im Gegenteil, siehe Wechselwirkungen weiter unten.
Praktisch einmischen: Feines Zeolithpulver staubt und weht davon. Am besten in angefeuchtetes Futter oder Mash einrühren. Das bindet den Staub und sorgt dafür, dass die Menge tatsächlich beim Pferd landet und nicht im Trog liegen bleibt.
Die Messlöffel-Falle
Fast alle Produkte liegen mit einem Messlöffel bei – und die Löffel sind nicht genormt. Gefundene Angaben reichen von rund 3 g über 10 g bis 25 g pro Löffel. Das ist ein Faktor von acht bei identischer Bezeichnung „ein Messlöffel".
Übertrage Löffelangaben deshalb nie von einem Produkt aufs nächste. Wenn du die Marke wechselst, wiege einen gestrichenen Löffel einmal auf einer Küchenwaage ab. Das dauert eine Minute und ist der einzige Weg, die Menge zu kennen, die du tatsächlich fütterst.
Was kostet das im Monat?
Diese Rechnung macht kaum ein Anbieter vor – dabei ist sie der ehrlichste Vergleichsmaßstab.
Rechne so: Preis geteilt durch Füllmenge in Kilogramm ergibt den Kilopreis. Multipliziert mit deiner Tagesmenge und 30 Tagen erhältst du die Monatskosten.
Der Punkt dabei: Zwischen kleinen Dosen und großen Gebinden liegt beim identisch deklarierten Zusatzstoff 1g568 oft ein Faktor von fünf bis zehn im Kilopreis. Dieselbe Spezifikation, dieselbe Kennnummer, dieselbe Funktion – nur eine andere Packungsgröße und ein anderes Etikett.
Zwei Dinge solltest du beim Vergleich trotzdem beachten:
- Deklaration schlägt Preis. Ein günstiges Gebinde ohne Angabe „sedimentären Ursprungs" und ohne Kennnummer ist kein Schnäppchen, sondern ein unbekanntes Produkt.
- Haltbarkeit und Lagerung. Ein 5-kg-Sack, der ein Jahr offen im feuchten Futterraum steht, klumpt. Kauf die Menge, die du in überschaubarer Zeit verbrauchst, und lagere trocken und verschlossen.
Woran erkennst du, ob es wirkt – und wann du abbrechen solltest
Der gesamte Wettbewerb arbeitet an dieser Stelle mit Erfahrungsberichten. Nützlicher ist ein Vorgehen, das dir eine eigene Antwort liefert.
Ein einfaches Beobachtungsprotokoll:
- Vorher zwei Wochen dokumentieren – ohne Zeolith. Kotkonsistenz, Kotwasser (wie oft, wie stark), Fellbild, Futteraufnahme, Leistungsbereitschaft. Stichpunkte am Handy genügen.
- Vier Wochen füttern, Menge konstant halten, dieselben Punkte notieren.
- Auslassversuch: zwei Wochen absetzen. Kommt der Effekt zurück, war es vermutlich nicht das Zeolith.
Wichtig ist, in dieser Zeit nichts anderes zu ändern – kein neues Kraftfutter, kein Weidewechsel. Sonst weißt du am Ende nicht, was gewirkt hat.
⚠️ Abbruchkriterien – hier gehört ein Tierarzt hin, kein Futterzusatz:
- Fieber, Kolik-Symptome oder Blut im Kot
- Gewichtsverlust oder deutlicher Leistungsabfall
- Kotwasser oder Durchfall, die trotz Fütterungsanpassung länger als zwei bis drei Wochen bestehen
- plötzliche Verschlechterung
Speziell bei wiederkehrendem Kotwasser wird eine Ursache in der Ratgeberliteratur fast nie genannt, obwohl sie ernst ist: die larvale Cyathostominose – ein massenhaftes Auswandern eingekapselter kleiner Strongylidenlarven aus der Darmwand. Sie kann lebensbedrohlich verlaufen und ist mit einer normalen Kotprobe nicht zuverlässig zu erkennen. Weitere mögliche Ursachen sind Sandaufnahme, Zahnprobleme, Magengeschwüre sowie Stoffwechselerkrankungen wie PPID oder EMS.
Ein Bindemittel ersetzt diese Abklärung nicht.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Wenn du dich für Zeolith entscheidest, sind das die Punkte, die tatsächlich Unterschiede machen:
- Bezeichnung prüfen: Auf der Deklaration muss „Klinoptilolith sedimentären Ursprungs" stehen. „Naturzeolith", „Vulkanmineral" oder „vulkanischen Ursprungs" sind nicht die zugelassene Spezifikation.
- Kennnummer suchen: Die zugelassene Deklaration nennt 1g568.
- Analysewerte lesen: Die Spezifikation verlangt ≥ 80 % Klinoptilolith, höchstens 20 % Tonminerale sowie faser- und quarzfrei. Ein Anbieter, der diese Werte nicht nennen kann, hat kein Datenblatt – oder keins, das er zeigen möchte.
- Auf die Gesamtration rechnen: Die 1-%-Grenze gilt für alles zusammen. Prüfe die Etiketten von Mineral- und Kraftfutter auf bereits enthaltenes Klinoptilolith.
- Staub beachten: Feine Zeolithpulver stauben stark. Beim Abfüllen und Anmischen ist das Einatmen zu vermeiden – für dich wie fürs Pferd. Anfeuchten oder in feuchtes Futter einmischen löst das Problem meist.
- Skeptisch bei Heilversprechen: Ein Anbieter, der „Entgiftung" oder Wirkung gegen bestimmte Erkrankungen verspricht, bewegt sich außerhalb der Zulassung. Das ist ein Qualitätssignal – ein negatives.
⚠️ Grenzen und Wechselwirkungen
In Ratgebern kursiert die Faustregel „zwei Stunden Abstand zu allem". Sie wird selten begründet. Die Datenlage ist differenzierter – und für die zwei Fälle unterschiedlich.
Mineralstoffe: gemischte Befunde – mit einem klaren Signal beim Phosphor
Hier lohnt ein Blick auf einen Vorgang, den kein Ratgeber erwähnt: Der zulässige Höchstgehalt wurde 2013 halbiert – genau wegen dieser Frage. Beantragt waren 20.000 mg/kg. Die EU-Behörde stufte das als nicht belegbar sicher ein und begründete das mit „nachteiligen, wenn auch unklaren" Effekten auf den Mineralstoffstatus bei Schweinen, Hühnern und Milchkühen. Übrig blieben die heute gültigen 10.000 mg/kg.
Die Datenlage seither ist zweigeteilt:
Am konsistentesten ist das Signal beim Phosphor. Mehrere unabhängige Arbeiten – Bilanzstudien am Schwein, Serumwerte bei Kälbern – berichten verringerte Phosphor-Retention oder niedrigere Serumwerte. Eine Interaktionsstudie an Masthühnern fand zusätzlich eine dosisabhängige Störung des Calcium-Phosphat-Haushalts, die die Behörde ausdrücklich als nachteiligen Effekt einstufte.
Bei Kupfer, Zink, Eisen und Selen ist der Befund widersprüchlich. In Fütterungsversuchen an Milchkühen und Sauen blieben die Serum- und Gewebewerte unauffällig. In Modellen des Magen-Darm-Trakts dagegen band Klinoptilolith deutliche Anteile – Eisen und Selen jeweils rund 58 %, Zink 38 %.
Der Widerspruch ist wissenschaftlich ungeklärt, hat aber einen wahrscheinlichen Grund: Serumwerte sind bei homöostatisch geregelten Elementen ein schwacher Maßstab. Der Körper hält sie stabil, auch wenn die Aufnahme sinkt. Ein Großteil der Entwarnungen stützt sich genau auf diesen schwachen Endpunkt.
Für das Pferd existiert zu alldem keine einzige Bilanz- oder Blutstatusstudie. Wer dauerhaft und im oberen Mengenbereich füttert, sollte die Ration deshalb durchrechnen lassen – mit besonderem Blick auf die Phosphorversorgung.
Medikamente: eine echte Evidenzlücke
Hier ist die ehrliche Antwort unbequem: Es gibt keine einzige veröffentlichte pharmakokinetische Studie zur gleichzeitigen Gabe von Klinoptilolith und einem Tierarzneimittel – bei keiner Tierart, beim Pferd erst recht nicht. Weder Wirkspiegel noch Bioverfügbarkeit wurden je gemessen.
Aufschlussreich ist ein Vergleich mit Bentonit: Dessen Zulassung enthält die ausdrückliche Auflage, die gleichzeitige orale Anwendung mit Makroliden zu vermeiden. Für Klinoptilolith gibt es keine solche Auflage – aber das ist kein Unbedenklichkeitsnachweis. Bentonit wurde zusätzlich als Mykotoxinbinder in doppelter Höchstmenge bewertet; in diesem Zusammenhang wurde die Arzneimittelfrage überhaupt erst gestellt. Bei Klinoptilolith wurde sie nie gestellt. Fehlende Auflage heißt hier: nicht geprüft, nicht ausgeschlossen.
Praktische Konsequenz: Bei laufender Medikation vorher mit dem Tierarzt sprechen. Nicht weil eine Wechselwirkung belegt wäre, sondern weil niemand sie untersucht hat.
⚠️ Der Punkt, der dich selbst betrifft: Staub
Der praktisch wichtigste Sicherheitsbefund betrifft nicht das Pferd, sondern den Menschen am Futtereimer.
Die EU-Behörde hat für den Zusatzstoff ein hohes Staubpotenzial gemessen und hält eine Belastung des Anwenders über die Atemluft für wahrscheinlich. Der Großteil der Partikel liegt dabei im Nanometerbereich. Hinzu kommt ein Nickelgehalt – Nickel ist als krebserzeugend eingestuft und unterliegt Arbeitsplatzgrenzwerten.
Bemerkenswert an der Einstufung als Haut- und Atemwegssensibilisator: Die Tierversuche zur Hautsensibilisierung waren negativ, Haut- und Augenreizung wurden ebenfalls verneint. Die Einstufung folgt vorsorglich aus dem Nickelgehalt, nicht aus einem positiven Testbefund.
Die aktuelle Verordnung schreibt deshalb vor: Verfahren und organisatorische Maßnahmen zur Expositionsminderung, und wo diese nicht ausreichen, persönliche Schutzausrüstung mit Haut- und Atemschutz.
Für den Stallalltag heißt das ganz praktisch: nicht in den offenen Sack greifen und nicht im Windzug abfüllen. Pulver ins feuchte Futter einrühren, Gebinde geschlossen halten, bei größeren Mengen Maske und Handschuhe. Das gilt besonders, wenn du selbst empfindliche Atemwege hast – und es ist ein Argument für gepresste oder granulierte Darreichungsformen gegenüber feinem Pulver.
Kein Ersatz für Ursachensuche: Wiederkehrendes Kotwasser, Durchfall, Leistungsabfall oder Hautprobleme haben Ursachen, die abgeklärt gehören – Zahnstatus, Futterhygiene, Parasiten, Grunderkrankungen. Ein Zusatzstoff, der laut Zulassung ein Trennmittel ist, ist dafür nicht die Antwort.
Häufige Fragen
Ist Zeolith fürs Pferd überhaupt erlaubt?
Ja. Klinoptilolith sedimentären Ursprungs ist über die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 651/2013 für alle Tierarten als Futtermittelzusatzstoff zugelassen – als Bindemittel (1g568) und Trennmittel (1i568), mit einer Höchstmenge von 10.000 mg je kg Alleinfutter.
Entgiftet Zeolith mein Pferd?
Die Zulassung deckt ausschließlich technologische Funktionen ab, keinen gesundheitsbezogenen Nutzen. Zeolith hat belegte Adsorptions- und Ionenaustauscheigenschaften, aber daraus folgt kein Nachweis einer „Entgiftung". Werbeaussagen dieser Art gehen über das hinaus, was geprüft und zugelassen ist.
Wie viel Zeolith bekommt mein Pferd pro Tag?
Rechnerisch begrenzt die 1-%-Regel die Menge auf grob 90–120 g täglich bei einem 600-kg-Pferd, 50–70 g bei einem Pony – jeweils aus allen Quellen zusammen. Das ist eine Obergrenze, keine Empfehlung; übliche Herstellerangaben liegen deutlich darunter. Für die konkrete Ration ziehst du am besten einen Fütterungsberater hinzu.
Bindet Zeolith die Mykotoxine in schlechtem Heu?
Für Stoffe mit dieser Aufgabe gibt es eine eigene futtermittelrechtliche Funktionsgruppe, für die etwa Bentonit gegen Aflatoxin B1 zugelassen ist. Die Zulassung von Klinoptilolith umfasst sie nicht – sie deckt Bindemittel und Trennmittel ab. Ein Klinoptilolith-Produkt ist also kein geprüfter Mykotoxinbinder. Entscheidend bleibt ohnehin die Heuqualität selbst.
Wie lange darf ich Zeolith füttern?
Dazu gibt es keine allgemeingültige Vorgabe – wohl aber die Höchstmenge von 1 % der Gesamtration, die dauerhaft einzuhalten ist. Wegen der unspezifischen Bindung ist eine dauerhafte hochdosierte Gabe ohne konkreten Anlass nicht sinnvoll. Bei geplanter Langzeitfütterung solltest du die Ration insgesamt mit einem Fütterungsberater oder Tierarzt durchrechnen.
Kann ich Zeolith zusammen mit dem Mineralfutter geben?
Besser nicht gleichzeitig. Da Zeolith unspezifisch adsorbiert und Kationen austauscht, ist ein zeitlicher Abstand zur Mineralstoffgabe die sinnvollere Wahl. Dasselbe gilt für oral verabreichte Medikamente.
Woran erkenne ich ein seriöses Produkt?
An der Deklaration: „Klinoptilolith sedimentären Ursprungs", Kennnummer 1g568 oder 1i568, klare Mengenangabe. Und daran, was nicht draufsteht – nämlich Heil-, Entgiftungs- oder Ausleitungsversprechen.
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Quellen
- Durchführungsverordnung (EU) 2026/167 der Kommission vom 26. Januar 2026 zur Verlängerung der Zulassung von Klinoptilolith sedimentären Ursprungs als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten; hebt die Verordnung (EU) Nr. 651/2013 auf. eur-lex.europa.eu
- EFSA-FEEDAP-Gremium: Safety and efficacy of the feed additive consisting of clinoptilolite of sedimentary origin for all animal species for the renewal of its authorisation (ZEOCEM a.s.). EFSA Journal 2025;23(4):9364. efsa.onlinelibrary.wiley.com
- EFSA-FEEDAP-Gremium: Safety and efficacy of a feed additive consisting of clinoptilolite of volcanic origin for all terrestrial animal species (IMERYS Talc Europe). EFSA Journal 2025;23(12):9780. efsa.onlinelibrary.wiley.com
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Liste der zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe, Funktionsgruppe 1g – Bindemittel. bvl.bund.de
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Liste der zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe, Funktionsgruppe 1i – Trennmittel. bvl.bund.de
- Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1060/2013 der Kommission zur Zulassung von Bentonit als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten (u. a. zur Verringerung der Kontamination mit Aflatoxin B1). eur-lex.europa.eu
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Liste der zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe, Stoffe zur Verringerung der Kontamination von Futtermitteln mit Mykotoxinen. bvl.bund.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei wiederkehrenden Verdauungsproblemen, Leistungsabfall oder Hautveränderungen sowie vor der Gabe von Zusatzstoffen während einer laufenden Medikation wende dich an deinen Tierarzt.